Zahl der Erdbeben-Toten in Italien steigt weiter

Schon fast 250 Tote sind gefunden worden, aber noch immer ist das ganze Ausmaß der Erdbeben-Katastrophe in Mittelitalien nicht ganz klar. Der Zivilschutz sprach nach dem folgenschweren Beben in einer vorläufigen Bilanz von mindestens 247 Toten. Die Zahl wird aber vermutlich weiter steigen, sagte der Chef der Behörde, Fabrizio Curcio, am Morgen. Mehr als 260 Menschen wurden verletzt. Die Retter suchten auch in der Nacht weiter nach Überlebenden in den zerstörten Gemeinden in Mittelitalien. Seit dem schwersten Erdstoß (mehr als Stärke 6) in der Nacht zum Mittwoch verzeichneten die Behörden rund 460 weitere Beben, was die Rettung erschwerte. In Italien wurden an vielen öffentlichen Gebäuden die Fahnen auf halbmast gesetzt. Die Regierung in Rom hatte dies als Zeichen der Trauer und zum Gedenken landesweit angeordnet. Das Beben ist inzwischen nahezu so folgenschwer wie das von L'Aquila im April 2009. Damals kamen mehr als 300 Menschen ums Leben. Die Hoffnung war, das neue Beben werde nicht das gleiche Ausmaß annehmen. Jedoch hatte schon Regierungschef Matteo Renzi bei einem Besuch in den zerstörten Dörfern angedeutet, dass es mehr Tote geben werde. Rufe nach besseren Vorsorgemaßnahmen wurden laut, Italien müsse erdbebensicher werden, sagte zum Beispiel der frühere Regierungschef Romano Prodi. Das Erdbeben hatte ganze Dörfer der Regionen Latium und Marken dem Erdboden gleichgemacht. Die meisten Toten sind in den kleinen Gemeinden Amatrice, Accumoli und Pescara del Tronto zu beklagen. «In Amatrice sind wir bereits bei 200 Toten», sagte der Bürgermeister der kleinen Stadt. In der Nacht seien weitere Leichen aus den Trümmern geborgen worden. Wie viele Menschen noch verschüttet oder vermisst sind, ist unklar. «Es ist unmöglich, eine Zahl der Vermissten zu nennen», sagte Zivilschutzchef Curcio. Viele seien auf der Durchreise oder im Urlaub in den betroffenen Orten gewesen. Sie liegen zwischen den Regionen Latium, Umbrien, den Marken und den Abruzzen. Vor allem viele Italiener machen dort Urlaub. Auch mehrere Ausländer kamen ums Leben, die Außenministerien in Madrid und Bukarest bestätigten am Donnerstag den Tod eines spanischen und zweier rumänischer Staatsbürger. Informationen, ob auch Deutsche betroffen sind, gab es zunächst nicht. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte, die deutsche Botschaft sei eingeschaltet und stehe in engem und ständigem Kontakt mit den italienischen Behörden. Tausende Menschen in den betroffenen Orten sind obdachlos, nachdem ihre Häuser eingestürzt sind. In Notunterkünften wie Zelten verbrachten viele die Nacht. Jedoch hätten viele das Angebot, dort unterzukommen, nicht angenommen, so der Zivilschutz. Manche hätten in Autos übernachtet. Medien berichteten auch von einigen Fällen von Plünderungen. In Pescara del Tronto habe die Polizei ihre Kontrollen verstärkt. Der Bürgermeister des hart getroffenen Ortes Accumoli, Stefano Petrucci, machte den Überlebenden Mut. «Jetzt gibt es einen Moment der Verzweiflung, aber wir glauben an uns. Wir sind hartnäckige Bergbewohner und wir werden das schaffen», sagte Petrucci vor Journalisten in dem Ort. Am Donnerstag war ein Treffen des Ministerrats in Rom geplant, um das weitere Vorgehen zu beraten. In der Region soll der Notstand ausgerufen werden. Viele alte und historische Bauten waren wie Kartenhäuser eingestürzt. Das Kulturministerium wollte wegen befürchteter Schäden an Kulturgütern zu einer Krisensitzung zusammenkommen. Italien ist hoch erdbebengefährdet, weil unter dem Apennin-Gebirgszug die afrikanische und die eurasische Platte aufeinanderstoßen. Immer wieder gibt es schwere Erdbeben mit vielen Toten.
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