Türkei weitet ihre Offensive im Norden Syriens nach Anfangserfolgen aus

Nach ersten Erfolgen bei ihrer Offensive gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat die Türkei ihre Miliärintervention im Norden Syriens ausgeweitet. Zehn Kampfpanzer und Truppentransporter rollten am Donnerstag bei Karkamis über die Grenze, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Verteidigungsminister Fikri Isik beanspruchte für die Türkei das "Recht", in Syrien auch kurdische Einheiten zu bekämpfen. Einen Tag nach dem Beginn der Großoffensive gegen den IS drangen bei Karkamis türkische Soldaten mit schwerem Kriegsgerät nach Syrien vor. Die türkischen Streitkräfte setzten bei "Schutzschild Euphrat" genannten Einsatz in der Umgebung der Grenzstadt Dscharablus Kampfjets, Panzer und Artillerie ein. Die an der Seite der Türkei kämpfenden syrischen Rebellen nahmen die Stadt am Westufer des Euphrats am Mittwoch ein. Der Einsatz richtet sich nach Angaben der türkischen Regierung sowohl gegen den IS als auch gegen die syrisch-kurdische Partei der Demokratischen Union (PYD), die von den USA unterstützt wird. Ankara will die Ausweitung der kurdischen Einflussgebiete in Syrien und somit die Entstehung eines eigenständigen kurdischen Autonomiegebietes verhindern. Verteidigungsminister Isik machte sich am Donnerstag die Forderung von US-Vizepräsident Joe Biden zu eigen, der am Mittwoch bei einem Besuch in Ankara den Rückzug der kurdischen Einheiten auf Stellungen östlich des Euphrats verlangt hatte. Der Einsatz "Schutzschild Euphrat" werde so lange forgesetzt, bis "unmittelbare Bedrohungen für die nationale Sicherheit ausgeschaltet" seien, sagte ein türkischer Regierungsvertreter. Die Tageszeitung "Hürriyet" berichtete, die Regierung in Ankara wolle im Norden Syriens eine Pufferzone einrichten, die "frei von Terrorgruppen" sei. Die Einsatzstärke der türkischen Armee habe am Mittwoch bei 450 Mann gelegen, sie könne im Verlauf der Offensive auf 15.000 erhöht werden. Unter Berufung auf Angaben des Militärs berichtete "Hürriyet", auf der Seite der Islamisten seien am Mittwoch einhundert Kämpfer getötet worden. Dafür gab es ebenso wenig eine Bestätigung wie für einen Bericht der Nachrichtenagentur Dogan vom Vorabend, in dem die Zahl der getöteten IS-Kämpfer mit 46 angegeben wurde. Verluste der türkischen Armee wurden nicht bekannt, laut IS wurde ein Kämpfer der syrischen Opposition getötet. Dscharablus wurde seit drei Jahren vom IS kontrolliert. "Wir werden dafür sorgen, dass die PYD nicht an die Stelle des IS tritt", sagte der Verteidigungsminister. Die Türkei will verhindern, dass die Kurden im Norden Syriens ein eigenes Territorium erobern und dauerhaft beanspruchen. Im Syrien-Konflikt habe die Türkei "seit langem eine ganz andere Prioritätenlisten als die Europäer oder auch die Amerikaner", sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Norbert Röttgen (CDU), dem Deutschlandfunk. Ankara wolle die "Selbstständigkeits- und Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden in der gesamten Region unterbinden". Wenn die Türkei aber in Syrien "jenseits ihrer Grenze" kurdische Stellungen angreife, so habe sie dafür "keine Rechtfertigung in rechtlicher Hinsicht", zudem werde dadurch "die Strategie des Westens und der Anti-IS-Koalition konterkariert".
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