Kolumbiens Regierung und Farc-Rebellen schließen nach Jahrzehnten Frieden

In Kolumbien haben die Regierung und die Farc-Rebellen einen der ältesten Gewaltkonflikte Lateinamerikas für beendet erklärt: Die Regierung und die linksgerichteten Rebellen besiegelten nach vierjährigen Verhandlungen ein Friedensabkommen zur Beendigung des Bürgerkriegs, in dem seit den 60er Jahren mehr als 260.000 Menschen getötet wurden. Die Unterhändler unterzeichneten am Mittwoch (Ortszeit) in Havanna den Friedensvertrag, der am 2. Oktober der Bevölkerung zur Zustimmung vorgelegt werden soll. Die Einigung markiere "das Ende des Leidens, des Schmerzes und der Tragödie des Kriegs", sagte Präsident Juan Manuel Santos. Bei der erzielten Einigung handele es sich um ein "abschließendes, umfassendes und endgültiges Friedensabkommen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Es besiegele "das Ende des Konflikts und den Aufbau eines stabilen und dauerhaften Friedens in Kolumbien". Der kubanische Vermittler Rodolfo Benitez sagte: "Es soll in Kolumbien kein einziges Opfer mehr geben." Der Farc-Unterhändler Ivan Márquez sagte: "Wir können verkünden, dass der Kampf der Waffen endet und der Kampf der Ideen beginnt." Das von beiden Seiten als historisch gepriesene Vertragswerk kann erst in Kraft treten, wenn die Kolumbianer dem in dem Referendum am 2. Oktober zustimmen. Die Unterzeichnungszeremonie wurde aus Havanna live nach Bogotá übertragen und auf den Straßen der kolumbianischen Hauptstadt gefeiert. Das Referendum werde die wichtigste Abstimmung im Leben der Wähler, sagte Santos in einer Ansprache an die Nation. "Wir haben die historische und einmalige Chance, diesen Konflikt hinter uns zu lassen." US-Präsident Barack Obama gratulierte den Konfliktparteien zu dem Friedensschluss. Er versicherte, die USA wollten Kolumbien "in dem langen Prozess zur vollen Umsetzung eines gerechten und dauerhaften Friedens" unterstützen. Die USA betrachten das Land als entscheidenden Verbündeten im Kampf gegen die Drogenkriminalität. Washington stellte im Rahmen des "Plan Colombia"-Programms bereits mehr als zehn Milliarden Dollar bereit. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bezeichnete den Abschluss des Friedensabkommens als "historischen Moment für Kolumbien und für ganz Lateinamerika". Es komme nun darauf an, "die Vereinbarung schnell mit Leben zu füllen und auf dem Weg zu Frieden und Aussöhnung alle gesellschaftlichen Kräfte des Landes mitzunehmen". Deutschland werde mit seinem Sonderbeauftragten Tom Koenigs die Anstrengungen für eine dauerhafte Befriedung "weiter nach Kräften unterstützen". "Generationen von Kolumbianern haben auf diesen Moment gewartet - und viele dachten, er werde niemals kommen", erklärte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz. Nun hätten die Bürger Kolumbiens die Aussicht auf ein Leben, das für sie und für ihre Kinder sicherer sei. Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) wurden 1964 im Kampf gegen Großgrundbesitzer und zur Verteidigung armer Bauern gegründet, die auch Opfer von staatlicher Gewalt wurden. In dem mehr als 50 Jahre währenden bewaffneten Konflikt zwischen linken Rebellen, Paramilitärs, Drogenmafia und Armee wurden in dem südamerikanischen Land mehr als 260.000 Menschen getötet, 6,9 Millionen weitere wurden vertrieben. Santos' Gegner, allen voran der frühere Präsident Álvaro Uribe, machen bereits gegen das Abkommen mit der Farc mobil. Es gewähre der Farc-Guerilla zu viele Zugeständnisse, kritisieren sie. Der Friedensvertrag schreibt sechs Einzelvereinbarungen fest, dabei geht es um Gerechtigkeit für die Opfer, Landreform, politische Teilhabe für Ex-Rebellen, den Kampf gegen den Drogenhandel, Entwaffnung und die Überwachung der Umsetzung des Abkommens. Der Vereinbarung zufolge sollen die rund 7000 Farc-Kämpfer ihre Verstecke verlassen und sich in Entwaffnungslager unter Aufsicht der Vereinten Nationen begeben. Ihre Waffen sollen eingeschmolzen und zu drei Friedensdenkmälern umgearbeitet werden. Die Farc soll zur politischen Partei werden, der im kolumbianischen Kongress zunächst zehn Sitze zugebilligt werden. Zweitgrößte Guerillaorganisation Kolumbiens ist die Nationale Befreiungsarmee (ELN). Auch sie stimmte Friedensverhandlungen mit der Regierung in Bogotá zu; allerdings kommen diese bisher nicht voran.
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