Zahl der Erdbeben-Toten in Italien steigt auf mindestens 241

Mit unerschütterlicher Hoffnung haben die Helfer im italienischen Erdbebengebiet ihre Suche nach Überlebenden unter den Trümmern fortgesetzt. Die Zahl der Toten stieg bis Donnerstag auf mindestens 241, weitere Leichen wurden noch in den zerstörten Häusern vermutet. Wieviele Menschen noch verschüttet sein könnten, war zunächst unklar - die Behörden konnten nach wie vor keine genauen Angaben zur Vermisstenzahl machen. Obwohl seit Stunden kein Verschütteter mehr lebend geborgen wurde, rief der Zivilschutz am Donnerstag die Menschen auf, den Mut nicht zu verlieren. Er erinnerte daran, dass der letzte Überlebende nach dem verheerenden Erdbeben im nahegelegenen L'Aquila noch nach 72 Stunden gerettet werden konnte. Am Nachmittag dann korrigierte er die Zahl der Toten von 247 nach unten auf 241. Das Beben hatte am frühen Mittwochmorgen im Gebiet zwischen den Regionen Latium, Marken und Umbrien mehrere Dörfer teilweise zerstört. Der Bürgermeister des beliebten Ferienorts Amatrice , Sergio Pirozzi, sprach am Donnerstagmorgen sogar von mehr als 200 Toten allein in seinem Dorf - eine offizielle Bestätigung gab es dafür aber zunächst nicht. 264 Verletzte wurden nach Angaben der Zivilschutzvertreterin Immocalata Postiglione in Krankenhäusern behandelt, einige von ihnen schwebten in Lebensgefahr. Hunderte Menschen verbrachten die Nacht in Zelten, ihren Autos oder bei Gastfamilien in weniger betroffenen Nachbarorten. Sie wurden von Dutzenden Nachbeben immer wieder aufgeschreckt. Eines von ihnen richtete am frühen Morgen weitere Schäden an. Nach wie vor ungewiss war, wie viele Menschen noch vermisst wurden. Am Mittwoch schwankten die Schätzungen zwischen 50 und mehreren hundert Vermissten, und auch am Donnerstag konnte der Zivilschutz keine konkreteren Angaben machen. Das liegt daran, dass sich die Einwohnerzahl in den vielen pittoresken Dörfern der Region während der Sommermonate verdrei- oder vervierfacht. Vor allem in das malerische Dorf Amatrice, das bei dem Erdbeben zu großen Teilen zerstört wurde, strömen im Sommer viele Bewohner der 150 Kilometer entfernten Hauptstadt Rom, um der Hitze in ihrer Stadt zu entfliehen. Dort sollte an diesem Wochenende zum 50. Mal die Erfindung des berühmten Rezepts Spaghetti all'amatriciana gefeiert werden. Nach wie vor unklar war unter anderem das Schicksal von 28 der 32 Gäste im komplett eingestürzten Hotel Roma. Der Bürgermeister von Araquata del Tronto, Aleandro Petrucci, rief alle Bewohner seines Dorfs auf, sich zu melden, sollten sie woanders Unterkunft gefunden haben. In dem fast vollständig dem Erdboden gleichgemachten Weiler Pescara del Tronto leben normalerweise nur noch vier Familien. Wieviele es am Mittwoch waren, ist unklar - Schätzungen gehen von bis zu 300 Übernachtungsgästen aus. Regierungschef Matteo Renzi versprach bei einer Krisensitzung seines Kabinetts, den Wiederaufbau in der Erdbebenregion sofort in Angriff zu nehmen. Er habe die Lektion aus dem Drama von L'Aquila gelernt. Bei dem Beben in dem nur eine Autostunde entfernten L'Aquila waren 2009 mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen. Damals wurden vor allem die laxen Bauvorschriften kritisiert. Nach der Katastrophe von L'Aquila hatte die Zivilschutzbehörde fast eine Milliarde Euro für die Nachrüstung von Gebäuden in Erdbebengebieten zur Verfügung gestellt. Wegen des mühsamen Antragsverfahrens wurden laut Kritikern aber nur wenige Fördergelder abgerufen. Dagegen wurde die Schule von Amatrice vor vier Jahren nach den Normen der Erdbebensicherung umgebaut - und stürzte am Mittwoch trotzdem ein. Der Staatsanwalt der nahegelegenen Stadt Rieti will nun prüfen, ob die Behörden von Amatrice oder den anderen betroffenen Dörfern Gelder unterschlagen haben.
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